Gilles Wetter, Staatsanwalt bei der Kantonspolizei, war beruflich unterwegs. Im Zürcher Hauptbahnhof zur Stosszeit. Der dezent gekleidete Mann mit Regenschirm und Ledermappe warf einen Blick auf die elektronische Anzeigetafel, eilte auf den Perron am Rand der Halle und versuchte, die Türe zum Erstklassabteil zu erreichen. Passagiere aus dem Zug auf dem Nachbargleis versperrten ihm den Weg. «Gleis drei. Abfahrt des Glarner Sprinters in einer Minute», hallte eine Lautsprecherdurchsage. Endlich konnte er einsteigen. Er setzte sich aufatmend auf das beschädigte Polster. Unter den Sitzen gegenüber lagen zerknüllte Zeitungen und leere Pappbecher. Ausser ihm befand sich nur noch ein älteres Paar im Wagen.
Zürich - Glarus retour
Es trug Wanderkleidung und Regenpelerinen. Die Luft im Wagen war stickig. Er versuchte, eine Fensterscheibe nach unten zu ziehen. Sie klemmte. Durch die von tränenden Wasserspuren getrübte Glasfläche beobachtete er, wie der rote Sekundenzeiger einer Bahnhofsuhr nach kurzem Stillstand bei zwölf Uhr weiterlief und der Minutenzeiger zitternd auf die nächste Markierung sprang. Ein Ruck. Der Zug setzte sich in Bewegung. Erleichtert lehnte er sich zurück. Leise ratternd fuhr die Bahn in die Morgendämmerung hinaus. Regen trommelte gegen die beschlagenen Fenster. Er schloss die Augen, massierte mit leichtem Druck seine Schläfen und konnte sich endlich entspannen.
04.04.2010

